Ausstellung im Projektraum der Chelsea Galerie H95,
Raum für Kultur in Basel
18. August - 15. September 2007
Seit einiger Zeit beteiligt sich die Chelsea-Galerie Laufen am Programm des H95 Raum
für Kultur in Basel. Dazu gehören Ausstellungen, die Projektcharakter haben, beispielsweise «Rotationen» der Schweizer Künstlerin Nesa Gschwend.
Nesa Gschwend ist von ihrem Denken her Performerin. Im Mittelpunkt steht die Handlung, beispielsweise das Drehen, Wenden, Öffnen, Knautschen und schliesslich wieder Zunähen einer Orange. Dabei
beschaut und bedenkt sie ihr Tun, indem sie es in anderen Medien noch einmal neu formuliert, als
Video-Performances, mehrteilige Objektreihen, Zeichnungen und räumliche Malerei.
«Rotationen» nennt die im Rheintal aufgewachsene Künstlerin die installative Ausstellung im 160 qm
grossen Projektraum in Basel. Die Drehbewegungen beziehen sich nicht nur auf den Medienwandel,
nicht nur auf die saftigen Orangen, die sie nach den Performances eintrocknen liess, in flüssigen Wachs
tauchte und nun in zwei Reihen auf zwei schmalen, von der Decke hängenden Latten präsentiert.
Die «Rotationen» sind auf der sichtbaren wie auf der inhaltlichen Ebene relevant. So wenn sich in ihrem
Gesicht während der Performance der Ausdruck von der Lust am Wühlen im Fruchtfleisch in Erschrecken
wandelt und sie nach Nadel und Faden greift, um die Orange wieder zusammenzunähen. Doch während
hier Orange zum Sinnbild des Planeten Erde und die herunterhängenden Fäden unverhofft zu Nabelschnü-
ren werden, weist die zeitlich verschoben gezeigte Doppel-Projektion der Video-Performance derselben
Handlung assoziativ in eine andere Richtung: Die Filme laufen sowohl vorwärts wie rückwärts und sind in
einem fort Anfang und Ende, Tod und Erneuerung. Darüber hinaus sorgen die vier als Rotationsform platzierten, wächsernen Handschuh-Objekte mit ihren kaum sichtbaren Orangen im Handinnern laufend für
die Produktion weiterer «Zellen».
So wie jedes Objekt seine eigene Form hat, zeigt auch jedes Gesicht seinen eigenen Ausdruck. Sowohl
in den Zeichnungen wie in der grossformatigen Pigment-Wachs-Malerei dominiert das Motiv des Kopfes,
des Gesichts - freilich formal so reduziert, dass die Körperteile mit den Objekten in Kontakt treten. Das
eine scheint Teil des anderen zu sein.
Die in Aargau lebende Nesa Gschwend, die seit 1986 als Soloperformerin und Künstlerin auftritt, sucht
stets die Konzentration auf archaische Äusserungen. Was die Ausstellung in Basel besonders macht, ist
die körperlich-sinnliche Intensität der Arbeiten in warmen Tönen von ocker, rotbraun bis weinrot - vielleicht ein Resultat ihres letztjährigen Aufenthaltes in Bangalore, Indien. Einer grossen Herausforderung wird sie sich im kommenden Jahr stellen, wenn sie den ganzen «Engländerbau» in Vaduz bespielen wird.
Annelise Zwez
kunstbulletin 9/2007 |