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| Trudy
Andres Video und Zeichnung • Biografie siehe sokultur.ch • Laufentaler Wochenblatt pdf 176kb • Solothurner Tagblatt pdf 252kb |
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Vernissagerede
für die Ausstellung „VOR ORT“ in der Chelsea Galerie
Laufen Die Künstlerin Trudy Andres aus Solothurn oder genauer aus dem
Vorort Bellach kenne ich bereits seit einigen Jahren nicht nur durch Atelier-
und Ausstellungsbesuche, sondern vor allem auch durch unsere gemeinsame
Arbeit in der visarte, dem Berufsverband der visuellen KünstlerInnen
der Schweiz. Ihr dortiges Engagement bezeugt bereits ein reges Interesse
an gesellschaftlichen und politischen Fragen. Und so verwundert es nicht,
auch in ihren Arbeiten immer wieder auf gesellschaftlich relevante Fragestellungen
zu stossen. Die Video-Arbeit „Tagesschau“ stammt aus dem Jahr 2004 und wird uns in 2-minütiger Wiederholung gezeigt. Für einmal ist die Künstlerin nicht selbst unterwegs, sondern bleibt zu Hause, schweift aber dennoch mit uns durch die Welt, auch hier als kritische Beobachterin. Im Video werden uns die realen Bilder einer Fernsehübertragung gezeigt, oder vielmehr ausgewählte und zusammengesetzte Ausschnitte verschiedener Sendungen. Sie werden jedoch verzerrt oder manipuliert, wenn die Künstlerin z.B. den Ton schneller laufen lässt und damit den Eindruck der ständig gehetzten Nachrichten-versessenen Zeit steigert. Diese „Fernsehbilder“ werden mit eigenen Zeichnungen der Künstlerin vermischt. Zuerst war die Idee vom Video. Dann zeichnete sie Ausschnitte aus den
Sendungen direkt vor dem Bildschirm in angedeuteten Filmstreifen auf Folie,
wobei sie auch mit aufgenommenem Material arbeitet, bei dem sie leichter
auch mal anhalten oder zurückschalten und so eine Nachricht, eine
Geste, ein Wort noch einmal nachwirken lassen kann. Im Übrigen kommen „Wortbilder“ und so möchte ich die hier gezeigte Arbeit bezeichnen, auch in vielen anderen Arbeiten von Trudy Andres vor. – Menschenbilder und Sprache spielen bei ihr eine wichtige Rolle. Arbeitstechnisch ähnlich ist sie auch bei ihrer aktuellen Arbeit
vorgegangen, die in der Jahresausstellung des Kunstvereins Olten gezeigt
wurde: es handelt sich ebenfalls um ein gesellschaftlich relevantes Thema
– den Konsumrausch. Sie hat dieser Arbeit den Titel „Fashion-Art“
gegeben und sie ist dafür zum „Aufzeichnen“ vor Ort in
einen Konsumtempel gegangen und hat die Bilder mit Kamera und Faserstift
festgehalten. Weitere Themen an denen Trudy Andres sich in den letzten Jahren abgearbeitet hat waren: Wohnreise (2001), Tassen (2002), I dr Ysebahn (2003) und auch dieses letzte Thema wäre natürlich ein klassisches Thema für „Unterwegs“-Sein – vor Ort malen“ und hätte eine grosse Nähe zu den Werken von Lotte Seyerl gezeigt. Trudy Andres wird aber nicht nur durch die kleinen, alltäglichen
Dinge des Lebens angezogen, sondern auch von der grossen weiten Welt.
Und so reist sie in die Metropolen, wie Berlin, New York oder Rom und
zeichnet dort ihre Wahrnehmungen auf – es sind urbane Bilder, die
den Vorort weit hinter sich lassen. So z.B. auf den kleinen New York-Bildern,
die sie auf mit Bauplastik überzogene Holztäfelchen gezeichnet
hat, um verschiedene Ebenen wiedergeben zu können. Das Bild der Transparenz
ist ein wichtiges materielles Element ihrer Arbeiten. Bei der Durch- und
Mehrsichtigkeit wissen wir nicht immer, welche Ebene zu uns spricht. Und
die Leichtigkeit des Maluntergrunds wie auch der Malweise steht oft im
Kontrast zu den nachdenklich stimmenden Themen. Der flüchtige Eindruck
verstärkt sich durch die Abwechslung von dünnen und fetten Strichen,
von Überlagerungen, von Scharfem und Unschärfen. Strichzeichnungen
auf Streifenbildern, Streiflichter einer grossen Stadt mit zu grossen
Autos, zu grossen Häusern und den Menschen, die dazwischen leben. Martin Rohde, Kunsthistoriker |
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